Wie kann es so weit kommen?

Der Einfluss der Erziehung

Natürlich hat das mit unserer Erziehung zu tun. Das Gleichgewicht zwischen Rechten (seinen Bedürfnissen nachzugeben, aber auch sich zu amüsieren...) und Pflichten (den Verpflichtungen nachkommen) wird uns von klein an beigebracht. In einigen Familien darf das Kind nicht „Kind sein“. Seine Forderungen werden schnell als Quengelei abgetan und der Ausdruck seiner Emotionen wird oft als Gejammer verstanden. Das Kind muss sich schon früh verantwortungsbewusst, seriös und fleißig zeigen. Die Schulnoten müssen gut sein. Und in dieser Zeit sind die Pausen voller Freude zu Hause selten; Lachen wird unterbunden, da es zu laut ist oder weil „das jetzt nicht der Moment ist“.

In solch einem Kontext wird das Kind diese Last akzeptieren, um Missbilligungen zu vermeiden, aber auch um zu zeigen, dass es Zuneigung verdient. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Kind sich schon sehr früh wie ein kleiner Erwachsener verhält.

Dies hinterlässt natürlich Spuren, wie ein psychologisches Erbe.

Die kulturellen Einflüsse

Unsere Gesellschaft hat lange eine strenge Erziehung bevorzugt, mit wenig Platz für Rücksicht auf die Bedürfnisse und Emotionen. Dann hat es eine kulturelle Revolution gegeben. Im Mai 1968 wurde dieses Erziehungsbild über den Haufen geworfen: Es war „verboten zu verbieten“. Gleichzeitig wurde sicherlich mehr Rücksicht auf den Rhythmus des Kindes und seinen Ausdruck genommen. Doch die Waage schlug zur anderen Seite aus und heute wissen wir, dass es Teilen dieser Generation an Bezugspunkten fehlt, was mangelndes Pflichtbewusstsein zur Folge hat.

Gleichzeitig dazu hat die Kultur des „Erfolgs“ Boden gut gemacht. Daraus resultiert der Wille, immer Erster zu sein, mit den Opfern, die dafür erbracht werden müssen: eine Kultur des „Sieges“, in der der Einzelne nach vorne preschen, ein dickes Fell haben und insbesondere alles tun muss, um sein Ziel zu erreichen. Dies bezieht sich vor allem auf die Arbeitswelt, aber auch auf den Privatbereich. Erfolg lautet die neue Maxime.